Die Farbe des Universums


sLichtskulptur
ca. 9 mal 30 cm
Thüringer Glas, elementarer Wasserstoff, Metall, Kabel, Hochspannungselektronik
Ausstellung "rot.grün.blau - Experimente in Farbe und Licht"
Fischerhütte Ilmenau 2008

Die Idee zu der Lichtskulptur geht auf eine einfache, aber nicht ganz triviale Frage zurück: Was ist die Farbe des Universums?
Das „kosmische Spektrum“, das darüber Aufschluß gibt, ist mehr oder weniger eine beiläufige Entdeckung einer umfangreichen Himmelsdurchmusterung. Im Jahre 2002 analysierten Karl Glazebrook und Ivan Baldry die Spektraldaten von 200.000 weit entfernten Galaxien und rechneten die Rotverschiebung heraus. Durch die Summierung der korrigierten Spektren kamen sie so auf „die Farbe des Universums“.

Bereits im Winter 2003/04 inspirierte dieses kosmische Spektrum Tim Otto Roth zu einer kĂźnstlerischen Umsetzung an der Kunstfassade in München. Ein Wermutstropfen ergab sich damals bei der Übertragung: In dem Farbmischsystem der Lichtfassade konnte das kosmische Spektrum nicht genau wiedergegeben werden.


Kunstfassade in München 2004

Ähnlich wie Körperfarben der Malerei mitunter nicht genau photographisch reproduziert werden können, verhält es sich auch mit spezifischen Lichtfarben. Um der Farbe des Universums näher zu kommen, galt es nun, das Licht wie ein Pigment in der Malerei näher zu untersuchen. Roth schaute sich hierzu das Spektrum noch einmal genauer an: Dieses hat eine signifikante Spitze im Rotbereich, die es rötlich erscheinen läßt. Diese Spitze ist dem Element Wasserstoff geschuldet, aus dem das Universum größtenteils besteht.


das kosmische Spektrum von Glazebrook und Baldry bei einer Rotverschiebung von 0,06

Die Schwierigkeit die Farbe des Universums in eine Lichtskulptur umzusetzen, lag nun darin, den Wasserstoff wie in einer interstellaren Gaswolke anzuregen, so daß er hauptsächlich im Rotbereich Licht emittiert. Dank des fundierten Wissens von Astronomen und der Expertise des Glasbauers Linschmann, der insbesondere Erfahrung im Bau von historischen Geisslerröhren besitzt, ist es schließlich gelungen mit einer speziellen Kapillarröhre das charakteristische Licht des kosmischen Spektrum zu rekonstruieren. Aufwendig wurde aus einer Spirale eine Kugel geformt, die das Sphärische des Universums aufnimmt.


Glastechnik: Wolfgang Linschmann
Technik: Ilm-Neon

Kurator: Dr. Konrad Scheurmann

Dank an: Karl Glazebrook (Swinburne University of Technology/Melbourne), Andreas Glindemann (ESO/Garching), Mark Fairchild (Munsell Color Laboratories/Rochester), Norbert Haas (Osram)

Information & Linksammlung: Farbe des Universums

Link zur Ausstellung: rot.grün.blau. - Experimente in Farbe und Licht

Zur Ausstellung ist auch ein Text von Tim Otto Roth im begleitenden Katalog erschienen:
Ars Photoelectronica - Astronomie als Königsdisziplin der Farbe, in: Scheurmann, Konrad (Hrsg.): rot.grün.blau. - Experiment in Farbe & Licht, Ilmenau 2008, S. 90-93.