Im vergangenen Jahr ist in der Kirchengeschichte etwas Einmaliges geschehen: Erstmals konnten die Gottesdienste zum Leiden und Sterben Christi, sowie das Hochfest der Auferstehung von den Gemeinden nicht gemeinsam im Kirchenraum gefeiert werden. Auch in diesem Jahr sind die Plätze in den Gottesdiensten beschränkt. Außerhalb der Gottesdienste stehen die Kölner Kirchen unter Einhaltung der Hygieneauflagen für Besucher offen. In St. Gertrud in Köln wird in der Osterzeit eine ganz besondere Form der Andacht ermöglicht: Die Cold Harmonies verwandeln in der Kölner Kirche die Emanationen stellarer Kinderstuben in ein sich über den Köpfen der Besucher drehendes Klang- und Lichtuniversum. Die Arbeit ist eine konzeptionelle Erweiterung von Tim Otto Roths kinetischer Licht- und Klangskulptur Heaven's Carousel, die mit 36 leuchtenden Klangkörpern über dem Publikum rotiert.

Orion Variationen
Die Strahlung von Gasnebeln, mit der der am I. Physikalischen Institut der Universität zu Köln angesiedelte und von der DFG geförderte Sonderforschungsbereich 956 Bedingungen und Auswirkungen der Sternentstehung täglich arbeitet, ist gewissermaßen die Partitur: Die Zuhörer*innen begeben sich auf einen akustischen Flug durch die kalten Staub- und Gaswolken des Orionnebels. Das für unser Auge unsichtbare Licht, das die Moleküle bei diesen extrem niedrigen Temperaturen nahe dem Nullpunkt aussenden, bestimmt Instrumentierung und Partitur. Die langwelligen, für das menschliche Auge nicht mehr sichtbaren Lichtwellen von einfachen Molekülen wie Kohlenmonoxid-Isotopen, Wasser, Ammoniak oder Schwefeldioxid weisen dabei feste Schwingungsverhältnisse auf, die Roth analog zu den internen Molekülharmonien in hörbare, sich stets neu komponierende mikrotonale Klanggefüge zusammensetzt – den Cold Harmonies. Die inhärente Sphärenharmonik überträgt der Künstler in Zusammenspiel mit dem von Gottfried Böhm errichteten Betonkirchenbau in ein ätherisches Environment.


Wie die astrophysikalischen Daten in der Komposition transformiert werden, wird in der Rubrik Cold Harmonies erläutert.

Die Orion-Variationen entstanden in Zusammenarbeit mit PD. Dr. Volker Ossenkopf-Okada. Das Projekt Cold Harmonies wird im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 956 im Teilprojektes Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

27.03.2021 - 11.04.2021
St. Gertrud | Krefelder Str. 57 | 50670 Köln
Öffnungszeiten: täglich von 15 bis 20 Uhr
Der Flyer zum Projekt ist hier abrufbar: